An Ideen mangelt es nicht, wenn es um die geplanten Hängebrücken über das Höllen- und Lohbachtal geht. Das Interesse mitzugestalten ist groß, die Impulse stark. Genau das hatten sich die Ideengeber von dem Bürgerbeiteiligungsprozess auch erhofft: die Menschen der Region zu informieren, ihre Bedenken zu hören, ihre Vorschläge aufzunehmen und in die Planungen mit einzubeziehen. All das ist in den vergangenen Monaten geschehen. Und so stehen am Ende des Beteiligungsprozesses definierte Inhalte, die als Basis für die weiteren Planungs-, Prüfungs- und Realisierungsprozesse dienen.

Derzeit ermittelt der Landkreis das Verkehrsaufkommen in und um die angrenzenden Städte und Dörfer. Ein Verkehrsgutachten soll Klarheit schaffen, welche maximale Auslastung bereits vorhandene Wegstrecken schultern könnten. Bereits abgeschlossen sind die Vorarbeiten  für das europaweite Vergabeverfahren für Ingenieurleistungen. Dieses wird noch im Mai 2018 gestartet.

Schon jetzt definiert ist die mögliche Streckenführung und Besucherlenkung rund um die Brücken:

Start- und Zielbereich könnte ein zentraler Parklatz am Freizeitzentrum von Lichtenberg sein. Bahntouristen würden von Bad Steben und Blankenstein in Thüringen aus durch den Brücken-Shuttle zum Besucherzentrum gebracht. An diesem soll es einen zentralen Ticketverkauf sowie Toiletten, Verpflegung und Informationen über das Höllental und die Tourismusregion Frankenwald geben.

Wichtigste Neuerung und Ergebnis des Bürgerbeteiligungsprozesses ist der Zustieg zu den Brücken. Dieser soll ausschließlich über die Angerleite zum Drehkreuz Wildnis, dem Ankunfts- und Verteilungsort zwischen den beiden Brücken möglich sein. Von hier aus sollen die Besucher zunächst über die circa 720 Meter lange Höllentalbrücke zu den sogenannten Höllentalterrassen geleitet werden. Diese bieten nicht nur einen sagenhaften Blick über das Tal, sondern laden gleichzeitig zum Verweilen und Genießen ein, bevor es für die Besucher dann zurück zum Drehkreuz geht, von wo aus sie über die etwa 380 Meter lange Lohbachtalbrücke direkt zur Altstadt von Lichtenberg geführt werden.

Hier warten Aufenthaltsbereiche mit herrlichen Aussichtspunkten, Gastronomie sowie historische Highlights der Stadt auf die Brückenbesucher. Der Rückweg zum Parkplatz soll schließlich über die Altstadt, die Bahnhofstraße und den Wiesenweg zurück zum Besucherzentrum führen.

Zentrales Thema des Beteiligungsprozesses war der Schutz der sensiblen Naturbereiche des Höllentals. Um das Landschaftsbild so wenig wie möglich zu stören, sollen die Brücken in filigraner Bauweise entstehen. Die Konstruktion kommt nur mit dünnen Seilen aus, die aus der Ferne kaum sichtbar sein werden. Sämtliche Baumaßnahmen würden am Rande bzw. außerhalb des Naturschutz- und FFH-Gebietes Höllental durchgeführt werden. FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden. Auch hierzu wird es zeitnah ein Gutachten geben.

Darüber hinaus sollen sensible Felsbereiche, wie etwa der König David, durch Neubeschilderungen und gezielte Lenkung der Besucher geschützt werden.

Die Planungen sehen vor, bestehende Wanderwege weiter zu nutzen, um die Gäste durch neue Attraktionen wie Fotopunkte oder Naturerlebnisbereiche an empfindlichen Schutzzonen vorbei zu lenken. Bei erwarteten 100 000 bis 200 000 Brückentouristen pro Jahr werden außerdem klare Verhaltensregeln und Kontrollen durch einen Ranger unumgänglich sein. Selbstredend ist, dass die Infrastruktur so gestaltet wird, dass die Natur möglichst wenig durch die Brückengäste beeinträchtigt wird. Informationstafeln zur Natur im Höllental, besonderen Lebensräumen und schützenswerten Vegetationen sollen die Besucher zu einem sorgsamen Umgang sensibilisieren.

Das Beleben der Lichtenberger Altstadt und eine mögliche neue Nutzung des aktuell brachliegenden Freizeitzentrums war außerdem Inhalt zweier Ideenlabore, zu denen sich zahlreiche Bürger einbrachten: Ziel muss es sein, die Lichtenberger Altstadt durch Gastronomie, Übernachtungsmöglichkeiten, Plätze zum Verweilen und ein attraktives Rahmenprogramm für Besucher interessanter zu gestalten und somit die Aufenthaltsdauer in der Region zu erhöhen. Wichtiges Thema dabei ist die aktuelle Parkplatzsituation und eventuell verkehrsberuhigte Bereiche sowie der Schutz der Privatsphäre der Menschen vor Ort.

Für das Freizeitzentrum wurden mehrere Möglichkeiten einer neuen Nutzung diskutiert. Diese reichen von einer Seebühne für Kulturevents über Sportveranstaltungen, Büroräume, einem Indoorspielplatz bis hin zu regionalen Vermarktungsorten oder einer Jugendherberge. Der Realisierung voraus gehen muss nun eine Untersuchung des Gebäudezustandes, um abschließend über eine Revitalisierung, einen Teilabriss oder sonstige Maßnahmen zu entscheiden.

Sämtliche Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsprozesses sowie der aktuelle Stand zu Planungen und Prüfungsverfahren sind detailliert auf der Homepage www.frankenwald-bruecke.de einsehbar.

Der Landkreis Hof setzt auch weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit und einen konstruktiven Meinungsaustausch mit den Bürgern und bietet deshalb, zusammen mit den Bürgermeistern von Lichtenberg und Issigau, jeden zweiten Montag eine Bürgerstunde an. Diese findet von 16 bis 17 Uhr jeweils im Wechsel im Rathaus von Lichtenberg und Issigau statt.

Downloads:
Dokumentation Auftaktwerkstatt am 9. Oktober 2017
Dokumentation Erstes Ideenlabor für das Freizeitzentrum am 9. Dezember 2017
Dokumentation Zweites Ideenlabor zur Altstadt Lichtenberg am 03. Februar 2018